Ärztepräsident macht sich für Homöopathie stark!
Die Homöopathie breitet sich unaufhaltsam an deutschen Hochschulen aus. An vielen Universitäts-kliniken ist die Homöopathie inzwischen in der Krankenversorgung etabliert. Mehrere Stiftungs-professuren verankern die skurrile Heilslehre im akademischen Forschungsbetrieb. Für Medizin-studenten sieht die neue Approbations-ordnung die Homöopathie als Wahlpflichtfach vor. Diese Reform wird nun sogar vom Präsidenten der Bundes-ärztekammer unterstützt. So forderte Jörg-Dietrich Hoppe öffentlich eine stärkere Kombination von Schulmedizin und Alternativ-medizin. Die Wirkung von homöopathischen Mitteln sei "zwar angeblich nicht naturwissen-schaftlich belegbar", trotzdem sei "die Homöopathie ein wichtiger Zweig in der Ausbildung von Ärzten geworden". "Medizin ist keine Naturwissenschaft", sagt der deutsche Ober-Arzt allen Ernstes, "sondern eine Erfahrungswissen-schaft, die sich auch naturwissen-schaftlicher Methoden bedient." Für Hoppe gilt: Wer hilft, hat recht. Selbst Voodoo-Medizin lehnt er nicht völlig ab: "Ich würde sagen, manche Leute mögen davon profitieren", sagt Hoppe.
Von der Homöopathie hätten ihn aber seine Enkelkinder überzeugt: "Die hatten im Gebirge bei Serpentinenfahrten Übelkeit", gestand er gegenüber dem Spiegel. "Wenn sie aber vorher diese Kügelchen bekamen, war das mit der Übelkeit vorbei." Hoppe steht nicht allein. "Wissenschaftliches Denken kommt in der Praxis oft zu kurz", kritisiert Jürgen Windeler, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. "Es wird an den Universitäten zwar gelehrt, aber es wird viel zu wenig mit der praktischen ärztlichen Tätigkeit verknüpft."
Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen zur Homöopathie sind von beklagens-werter Qualität. Es geht dabei oft nicht darum, die Methode zu erforschen, sondern ihre Wirksamkeit mit allen Mitteln zu wiederlegen.